Von der sozialen Nachhaltigkeit zum Bruttonationalglück

Iris Pufé setzt sich in Ihrem neuen Buch zur Nachhaltigkeit auch mit den Zusammenhängen zwischen sozialer Nachhaltigkeit und der Glücksforschung auseinander.

Das neue Googlebuch
Soziale Nachhaltigkeit beschreibt die auf Menschen ausgerichtete Nutzung eines Systems oder einer Organisation in einer Weise, dass dieses in seinen wesentlichen Eigenschaften dauerhaft erhalten bleibt und sein personalbezogener sowie gesellschaftlicher Fortbestand so gesichert ist. Dabei spielen folgende Aspekte eine Rolle:

  • Aktuelle Probleme, die Ausdruck sozialer Nicht-Nachhaltigkeit sind, sind Terrorismus, Zwangsmigration, Arm-Reich-Kluft oder Diskriminierung und wie diese schwer greifbaren soften Aspekte ganze Ökonomien und Länder zerschlagen können.
  • Soziale Ressourcen sind z.B. Toleranz, Solidarität, Integrationsfähigkeit, Inklusion, Gemeinwohlorientierung, Recht- und Gerechtigkeitssinn.
  • Eine weitere mögliche Definition sozialer Nachhaltigkeit ist: Die Lösung der Verteilungsprobleme zwischen Regionen, sozialen Schichten, Geschlechtern und Altersgruppen sowie der kulturellen Integration von Zugehörigkeiten und Identitäten.
  • Theoretische Ansätze sind die Klassentheorie von Pierre Bourdieu sowie die Rational Choice Theory von James S. Coleman und Robert Putnam.

Soziale Nachhaltigkeit wurde bislang vernachlässigt und unterbewertet. Sie erfährt aber zunehmend Aufmerksamkeit durch soziale Innovationen wie z.B. soziale Netzwerke (Erfolg von Facebook), Kooperationen, strategische Allianzen, Fachkräftemangel, Humankapitalaufwertung.

Ein Referenzrahmen zur Bewertung sozialer Nachhaltigkeit ist die Glücksforschung. So relativiert die Messung von Glück und Zufriedenheit z.B. durch World Happiness Index (HPI) bzw. World Database of Happiness das Gewicht rein ökonomischer Faktoren. Vielmehr sind Faktoren bedeutsam wie soziales Wohlbefinden, gute Beziehungen zu Familie, Freunden, Nachbarn und der Gemeinschaft sowie eine intakte, gesunde Natur, also nicht rein-marktliche Güter.

Der Begriff Bruttonationalglück wurde 1979 vom König von Bhutan, Jigme Singye Wangchuck, geprägt. Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass er sich einer Wirtschaftsentwicklung verpflichtet fühlt, die Bhutans einzigartiger Kultur und ihren buddhistischen Werten gerecht werde. Bhutan hat zu diesem Zweck mit der Kommission für das Bruttonationalglück eine Staatskommission eingesetzt und in Artikel 9.2 der Verfassung festgeschrieben: „Der Staat soll sich darum bemühen, diejenigen Bedingungen zu fördern, die das Streben nach Gross National Happiness ermöglichen“

Dieser Text stammt aus dem Buch Nachhaltigkeit von Iris Pufé – erscheint in Kürze bei UTB: 14,99 € (D), 1. Auflage, 260 Seiten, ISBN 978-3-8252-3667-0

Artikelbild: © Gerrit Schmit / pixelio.de

 

Über den Autor

Jürgen Schechler Dr. Jürgen Schechler ist Programmleiter Wirtschaftswissenschaften. Er leitet das Redaktionsbüro von UVK Lucius in München für die UVK Verlagsgesellschaft mbH.

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