Was ist eigentlich Volkswirtschaftslehre?

Menschen wollen ihre Bedürfnisse befriedigen. Über unsere elementaren Bedürfnisse hinaus streben wir nach Sicherheit, nach Zugehörigkeit zu Gruppen und nach Selbstverwirklichung. Nur ein Teil dieser Bedürfnisse sind wirtschaftliche Natur. Und nur diese können durch den Konsum von Waren und Dienstleistungen befriedigt werden. Volkswirte bezeichnen Waren und Dienstleistungen als Güter. Güter lassen sich nach unterschiedlichen Kriterien unterscheiden:

Freie Güter sind – wie Sand in der Sahara – im Überfluss vorhanden und werden nicht auf Märkten gehandelt. Die meisten Güter sind dagegen knapp. Wenn Sand zum Bau von Häusern benötigt wird, müssen zur Bereitstellung Arbeit und Maschinen eingesetzt werden. Da dies mit Kosten verbunden ist, wird Sand in diesem Beispiel zu einem knappen Gut. Knappe Güter müssen produziert werden und haben daher einen Preis. Nur sie können Gegenstand wirtschaftlicher Entscheidungen sein.

Güter werden zweitens nach ihrer physischen Beschaffenheit unterschieden. Bei Waren als materiellen Gütern kann Produktion und Konsum zeitlich und räumlich getrennt erfolgen, weil sie transport- und lagerfähig sind. Dies ist bei immateriellen Gütern anders – salopp gesagt kann man sich Dienstleistungen nicht auf den Fuß fallen lassen.

Nach der Art der Verwendung sind Konsumgüter und Investitionsgüter zu unterscheiden. Konsumgüter dienen unmittelbar der Bedürfnisbefriedigung. Dagegen erleichtern Investitionen die künftige Produktion. Wenn die gegenwärtig verfügbaren Güter entweder konsumiert oder investiert werden können, dann muss die Investition mit einem Verzicht auf gegenwärtigen Konsum verbunden sein. Sparen und Investieren sind also zwei Seiten derselben Medaille.

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Nach der Verwendungsdauer unterscheidet man viertens Gebrauchs- und Verbrauchsgüter. Während Verbrauchsgüter durch den Konsumvorgang untergehen, ermöglichen Gebrauchsgüter teilweise eine langjährige Nutzung. In einem Haushalt finden sich im Kühlschrank normalerweise Verbrauchsgüter, während der Kühlschrank selbst ein Gebrauchsgut darstellt.

Schließlich gibt es private und öffentliche Güter. Private Güter sind individuell zu nutzen. Öffentliche Güter stellt der Staat allen Bürgern zur Verfügung und finanziert die Produktion oder Bereitstellung durch Steuern. Klassische Beispiele sind die Landesverteidigung oder die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung durch Polizei und Justiz. Private Güter werden auf Märkten gehandelt. Märkte entstehen, weil wir uns auf bestimmte Tätigkeiten spezialisieren und durch Tausch über ein breiteres Güterspektrum verfügen wollen. Gütermärkte zeichnen sich dadurch aus, dass die Haushalte nachfragen und Unternehmen Waren oder Dienstleistungen anbieten. Auf den meisten Märkten – wie etwa dem Wochenmarkt oder dem Wohnungsmarkt – sorgen Preise langfristig für einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage.

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Dies muss beispielsweise auf dem Arbeitsmarkt nicht notwendigerweise gelten. Im Falle dauerhafter Arbeitslosigkeit ist beispielsweise zu fragen, welche Mechanismen den Ausgleich des Arbeitskräfteangebots der Haushalte und der Arbeitsnachfrage der Unternehmen erschweren.

Darüber hinaus treten Wirtschaftssubjekte auf Vermögensmärkten auf: Kapitalmärkte bringen das Angebot und die Nachfrage nach Sachkapital und Finanzkapital zum Ausgleich. An der Börse werden unter anderem Aktien und Anleihen gehandelt. Banken refinanzieren sich auf dem Geldmarkt bei der Zentralbank. Das Bankensystem insgesamt stellt Unternehmen, Staat und privaten Haushalten Liquidität zur Abwicklung von Transaktionen zur Verfügung. Dies geschieht über die Kreditmärkte.

Die Volkswirtschaftslehre ist die Lehre von den Märkten. Ihre Methoden dienen dazu, das Verhalten von Menschen auf Märkten zu erklären und zu zeigen, wie individuelle Entscheidungen miteinander in Übereinstimmung gebracht werden. Darüber hinaus beschäftigt sich die Volkswirtschaftslehre damit, welche gesamtwirtschaftlichen Prozesse sich aus dem Zusammenwirken von Marktentwicklungen ergeben und welche Größen die wirtschaftliche Situation eines Landes umfassend beschreiben. Dazu gehören die Gütererzeugung insgesamt, die Beschäftigung oder die Geldwertentwicklung. Neben der Beschreibung und Erklärung ökonomischer Sachverhalte zielt die Volkswirtschaftslehre auch darauf ab, Empfehlungen für die Gestaltung wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und wirtschaftspolitischer Maßnahmen zu geben.

Der Text ist entnommen aus dem aktuellen Lehrbuch von Thomas Siebe:

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Viele Studierende werden im Rahmen der Mikro-Vorlesungen zum ersten Mal mit der analytischen volkwirtschaftlichen Denkweise konfrontiert. Dieses Buch stellt deswegen die für ein Bachelorstudium relevanten Themen in 15 Lerneinheiten verständlich und einprägsam vor. Der Autor leitet jedes Modul mit Lernzielen ein und illustriert den Stoff mit zahlreichen Beispielen. Aufgaben mit Lösungsskizzen helfen beim Wiederholen des Stoffs. Mathematische Methoden werden sparsam verwendet und gekonnt erklärt.

Über den Autor

Jürgen Schechler Dr. Jürgen Schechler ist Programmleiter Wirtschaftswissenschaften. Er leitet das Redaktionsbüro von UVK Lucius in München für die UVK Verlagsgesellschaft mbH.

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