Das Erfahrungskurvenkonzept: Nutzen und Grenzen für das Management

Das Erfahrungskurvenkonzept fokussiert auf den Zusammenhang zwischen der Kostenentwicklung eines Produktes und der kumulierten Produktionsmenge, die als Erfahrung interpretiert wird. Grundsätzlich wird unterstellt, dass die inflationsbereinigten Stückkosten eines Produktes mit der Verdoppelung der kumulierten Produktionsmengen zwischen 10 % und 30 % reduziert werden können.

 

Die Abbildung gibt diesen Sachverhalt wieder.

Als Ursachen für den Erfahrungskurveneffekt gelten Lernkurveneffekte, Degressionseffekte und technischer Fortschritt angeführt.

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Das Erfahrungskurvenkonzept gibt dem Management unterschiedliche Orientierungshilfen:

  • Die herausgestellten Ursachen dieses Effektes geben Anhaltspunkte zur Identifikation von Kostensenkungspotentialen und damit Möglichkeiten für eine Kostenplanung und -steuerung.
  • Es liefert Informationen zu Markt- und Wettbewerbsverhältnissen. So lassen sich Anhaltspunkte für die Abschätzung von Erfahrungseffekten in der Branche gewinnen und, wenn Informationen über die Ausbringungsmengen der Konkurrenz vorliegen, Einblicke in deren Kostensituation erlangen.
  • Darüber hinaus bieten sie Anhaltspunkte für die Preisbestimmung und Lieferantenauswahl.

Kritisch ist das Erfahrungskonzept hinsichtlich folgender Aspekte zu sehen:

  • Die Kostenverläufe haben keine generelle Gültigkeit; empirisch sind auch andere Verläufe feststellbar. Erfahrungskurveneffekte sind in der Höhe unternehmungsspezifisch.
  • Die Verwendung von Marktanteilen als Indikator für die kumulierte Menge im Konkurrentenvergleich ist nur bei den folgenden Prämissen möglich: homogene Produkte, einheitliche Marktpreise, gleicher Markteintrittszeitpunkt aller Anbieter, Produktionsmenge = Absatzmenge etc.
  • Die Erfahrung diffundiert in einer Branche, und die Konkurrenten können so auch bei geringen Produktionsmengen Erfahrungskurveneffekte realisieren.
  • Sie gilt nur bei einer gegebenen Technologie; neue Technologien begründen neue Erfahrungskurven.
  • Die aufgezeigte strategische Logik führt zu einer Verfolgung von Volumenstrategien, die evtl. zu Überkapazitäten und sinkenden Renditen führen können.
  • Als erklärende Variable wird nur die kumulierte Produktionsmenge und keine weiteren Einflussgrößen herangezogen. Daher ist eine exakte Zurechenbarkeit des Effektes nicht möglich. Um Strategieempfehlungen abzuleiten, sind die Rahmenbedingungen wie etwa das Marktwachstum, Preiselastizität der Nachfrage, Konkurrenzreaktionen etc. zu spezifizieren.

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Trotz dieser Kritik kann das Erfahrungskurvenkonzept als ein heuristisches Instrument dem strategischen Management

  • einerseits eine Basis für Prognosen und
  • anderseits Anhaltspunkte für die Formulierung von Handlungsempfehlungen im Rahmen wettbewerbsstrategischer Überlegungen geben. Sind die Ausbringungsmengen und die Marktanteile näherungsweise bekannt, dann lassen sich Kosten und Preisspannen von Wettbewerbern schätzen. Damit bieten sich Anhaltspunkte im Rahmen preisstrategischer Überlegungen.

Der Text entstammt dem kürzlich erschienenen Lehrbuch Einführung in das Strategische Management von Professor Dr. Hans Corsten und Dr. Martina Corsten (ISBN 978-3-8252-8487-9).

Die Strategie und deren Umsetzung gelten als die Königsdisziplin des Managements. Strategische Entscheidungen haben Einfluss auf den Erfolg und das langfristige Überleben eines Unternehmens. Deshalb ist heute in fast allen Unternehmen strategisches Management ein wichtiger Bestandteil.

Das Buch führt verständlich und kompakt in das strategische Management ein. Es bietet neben Antworten auf die grundlegenden strategischen Fragestellungen eine ausführliche Darstellung der Analyseinstrumente und des Prozesses der Strategieentwicklung mit den Phasen Zielplanung, Formulierung, Bewertung und Auswahl, Implementierung und Kontrolle.

Artikelbild: © Ich-und-Du / pixelio.de

Über den Autor

Jürgen Schechler Dr. Jürgen Schechler ist Programmleiter Wirtschaftswissenschaften. Er leitet das Redaktionsbüro von UVK Lucius in München für die UVK Verlagsgesellschaft mbH.

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