Der Investor im Wandel der Zeit

Die Ökonomie baute ihre Fundamente mehr als zwei Jahrhunderte lang auf das Verhalten des Homo Oeconomicus. Das im Jahre 1776 von Adam Smith veröffentlichte Werk „Der Wohlstand der Nationen“ legte nicht nur den Grundstein für eine neue Wissenschaft, sondern entwarf zugleich das Bild des „erwünschten“ Marktteilnehmers im Form des vielzitierten Homo Oeconomicus.

Die Konzepte und Modelle der Wirtschaftstheorien, Managementmethoden und Führungsprinzipien basieren in vielen Bereichen weiterhin auf der Prämisse, dass sich der Mensch tatsächlich so verhält, wie es von Adam Smith angenommen wurde. Die ersten Kritiken durch die Beachtung der Animal Spirits von John M. Keynes blieben weitgehend ungehört.

Das neue Googlebuch
Mit jedem Modell, mit fast jedem neuen Ergebnis mehrten sich im Laufe des 20. Jahrhunderts die Widersprüche zwischen den theoretischen Vorgaben und dem beobachtbaren Verhalten der Marktteilnehmer. Der Marktteilnehmer schien demnach z.B. weniger an der Maximierung des Eigennutzes interessiert zu sein als vielmehr an der Ausrichtung seiner Reaktionen an den fairen oder unfairen Handlungen der anderen Menschen in seiner Umgebung.

Durch die zunehmende Einsicht, dass die Marktteilnehmer dem gesetzten Ideal nicht entsprechen, stürzt das Fundament, auf dem die neoklassische Kapitalmarkttheorie basiert, immer mehr ein. Die Wissenschaft bemüht sich um eine Anpassung des rationalen Homo Oeconomicus, um der modernen Wirtschaftswelt näher zu kommen und seinen Marktteilnehmern zu entsprechen.

Der Marktteilnehmer im Sinne des Homo Oeconomicus Humanus ist weniger an der Maximierung des Eigennutzes interessiert, sondern vielmehr an der Ausrichtung seiner Reaktionen an den Handlungen anderer Individuen.

Der Text entstammt dem UTB-Buch Behavioral Finance von Rolf J. Daxhammer und Máté Facsar. Das Lehrbuch schlägt zunächst den Bogen von der neoklassischen Sicht der Finanzmärkte zur Behavioral Finance. Anschließend werden spekulative Blasen, von der Tulpenmanie bis zur Subprime Hypothekenblase, als Anzeichen für begrenzte Rationalität an Finanzmärkten ausführlich vorgestellt. Danach stehen die Heuristiken bei Anlageentscheidungen an Wertpapiermärkten im Vordergrund. Die dadurch ausgelösten Verzerrungen werden entsprechend ihrer Risiko-/Renditeschädlichkeit im Rahmen des RRS-Index® eingeordnet. Abschließend werden Beispiele für die Anwendung der Behavioral-Finance-Erkenntnisse im Wealth Management und Corporate Governance diskutiert und es wird ein Blick auf aktuelle Entwicklungen der Neuro-Finance und Emotional Finance geworfen.
Abgerundet wird das Lehrbuch durch einen web-basierten Wissens-Check, mit dem die Leser ihre Lernfortschritte überprüfen können.

Artikelbild: © Kurt F. Domnik / pixelio.de

Über den Autor

Jürgen Schechler Dr. Jürgen Schechler ist Programmleiter Wirtschaftswissenschaften. Er leitet das Redaktionsbüro von UVK Lucius in München für die UVK Verlagsgesellschaft mbH.

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