Wie reich ist Deutschland wirklich?

Vielleicht sind das die beiden trockenen, aber Zentralen Aussagen des aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung:

  • Das Nettovermögen der privaten Haushalte hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt.
  • Das Staatsvermögen ging um 800 Milliarden Euro zurück.

Seit vergangenen Montag liegt der Entwurf des vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung vor. Das Ergebnis: Reiche werden trotz Finanzkrise immer reicher, das Vermögen des Staates hingegen wird dramatisch kleiner.
Dabei geht es vor allem um das Nettovermögen, zu dem beispielsweise Immobilien, Geldanlagen, Bauland oder Ansprüche aus Betriebsrenten gehören.

Es findet eine gigantische Umverteilung vom staatlichen zum privaten Sektor statt.

Konkret: Laut Armutsbericht hat der Wohlstand in Deutschland zugenommen. Während das Nettovermögen des deutschen Staates zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro zurückging, hat sich das Nettovermögen der privaten Haushalte von knapp 4,6 auf rund 10 Billionen Euro mehr als verdoppelt.“

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Aber auch innerhalb des Privatsektors gibt es eine extreme Umverteilung

Demnach vereinen die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte über die Hälfte des gesamten Nettovermögens auf sich. Der Anteil des obersten Zehntels steigt dabei kontinuierlich. Im Jahr 1998 belief er sich noch auf 45 Prozent, 2008 vereinte diese Gruppe mehr als 53 Prozent des Nettogesamtvermögens auf sich. Die untere Hälfte aller Haushalte hält lediglich ein Prozent des Gesamtvermögens. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, wird die Arm-Reich-Schere in Deutschland weiter auseinanderdriften.

Anhand der Lorenzkurve wird deutlich, dass bereits vor fünf Jahren die Umverteilungzulasten zulasten der „unteren 90 Prozent“ erfolgt ist.

 

 

Ursache in der Vergangenheit

Kommentare und Diskussionen konzentrieren sich bei der Ursachenanalyse überwiegend auf die Krisen nach der Jahrtausendwende, im Zuge der Subprime-Krise und die aktuelle so genannte Euro-Krise. Was aber als Ursache das konjunkturelle Auf und Ab überdauert hat, ist die dauerhaft relativ niedrige Entwicklung der Reallöhne. Da Einkommen – und damit in erster Linie Lohneinkommen – der potenzielle Vermögensbildungsfaktor ist, kann bei Betrachtung der untenstehenden Grafik die zunehmende Ungleichverteilung im Privatsektor nicht überraschen

 Leistungsfähigkeit

Die Finanzierung öffentlicher Güter und von der öffentlichen hand bereit gestellten Leistungen soll überwiegend nach dem Leistungsfähigkeitsprinzip erfolgen. Die Ergebnisse des Berichts und die Analyse der Reallohnentwicklung legt die Vermutung nahe, dass es in Deutschland ein strukturelles Defizit gibt, dass die Kaufkraft innerhalb unserer Volkswirtschaft Gefahr läuft nachhaltig zurückzugehen und dass das Risiko eines Verschwindens des gesellschaftlichen Konsenses einer grundsätzlichen Chancengleichheit ansteigt.

Fazit: Eine Umverteilung von Staats- bzw. Gesellschaftsvermögen zugunsten eines kleinen Kreises von Privaten mach ein Land nicht reicher, sondern ärmer. Gleichgültig, wie sehr das Gesamtniveau steigen wird.

Über den Autor

Jürgen Schechler Dr. Jürgen Schechler ist Programmleiter Wirtschaftswissenschaften. Er leitet das Redaktionsbüro von UVK Lucius in München für die UVK Verlagsgesellschaft mbH.

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Ein Gedanke zu „Wie reich ist Deutschland wirklich?

  1. Es würde mich interessieren, ob das Staatsvermögen als Negativposten in der Staatsverschuldung bereits enthalten ist oder ob die beiden Zahlen einfach nebeneinanderstehen.

    Interessant ist, dass die Verschuldung regelmäßig öffentlich thematisiert wird.
    Vom Vermögen, bzw. seine Entwicklung habe ich noch nie in den Nachrichten gesehen oder oder gehört.

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