Homo Oeconomicus – das Modell menschlichen Verhaltens in der Ökonomik

Eine der wesentlichen Kritikpunkte an der ökonomischen Perspektive ist eine Verhaltensannahme! Hinter dem Handlungsmodell des Homo Oeconomicus stehen bestimmte Grundannahmen, mit deren Hilfe menschliches Verhalten erklärt und vorhergesagt werden
soll. Um dieser Perspektive kritisch zu begenen, muss man sie verstehen:

Zum Handlungsmodell des Homo Oeconomicus zählen:

  • das Individualprinzip,
  • das Prinzip der Problemorientierung,
  • das Prinzip der Trennung zwischen Präferenzen und Restriktionen,
  • das Rationalitätsprinzip,
  • das Prinzip der Nicht-Einzelfall-Betrachtung,
  • das Prinzip des methodologischen Individualismus

Individualprinzip

Das Individualprinzip besagt, dass das Individuum selbstinteressiert handelt. Es verfolgt seine eigenen Ziele, die als gegeben hinzunehmen sind. Der Homo Oeconomicus hat – ganz neutral gesprochen – eine Nutzenfunktion oder Präferenzen. Mögliche Problemlösungen sind nur vor dem Hintergrund dieser gegebenen Präferenzen zu bewerten. Eine Bewertung der Präferenzen (des individuell bestimmten Nutzens) durch andere ist nicht möglich.

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Prinzip der Problemorientierung

Das Entscheidungsmodell wird problembezogen gebildet. Man nimmt an, dass der Homo Oeconomicus die Präferenzen und die Alternativen, die für ein Entscheidungsproblem relevant sind, vollständig und richtig abbilden kann, dass er also jedes Wahlproblem richtig modellieren kann.

Prinzip der Trennung zwischen Präferenzen und Restriktionen

Der Homo Oeconomicus sieht sich mit seinen gegebenen inneren Präferenzen einem externen Handlungsfeld gegenüber, welches seine Wahl beeinflusst (Restriktionen). Aus dem Zusammenspiel zwischen seinen Wünschen und den aktuellen Bedingungen wählt er die optimale Handlung. Beobachtet man nun eine Änderung in den Handlungen, dann wird diese einzig auf die Änderung der externen Restriktionen zurückgeführt, während die inneren Präferenzen (die Nutzenfunktion) als stabil gelten. Wenn jemand heute weniger Alkohol als früher trinkt, dann erklärt das der Ökonom durch eine Erhöhung der Alkoholpreise (Änderung der Restriktionen) und nicht durch ein gewachsenes Gesundheitsbewusstsein der Person (Änderung der Präferenzen). Wie Präferenzen entstehen und sich wandeln, interessiert den Ökonomen in der Regel nicht.

Rationalitätsprinzip

Nach dem Rationalitätsprinzip muss das Individuum versuchen, die optimale, nutzenmaximale Entscheidung zwischen alternativen Möglichkeiten zu treffen. Moralische Überlegungen spielen dabei keine Rolle. Das Individuum scheut auch vor Lügen, Vertragsbruch, Betrug und anderen Regelbrüchen nicht zurück, wenn es ihm einen persönlichen Vorteil bringt. Ändern sich die Bedingungen im Handlungsfeld, muss der Homo Oeconomicus darauf in vorhersehbarer Weise mit Anpassungsentscheidungen reagieren. Die Ökonomik kann sein Verhalten weder erklären noch vorhersagen, wenn er sich „irrational“ verhält und bspw. trotz der Preiserhöhung eines Gutes aus Gewohnheit die gleiche Menge weiter konsumiert.

Zur Kennzeichnung des Homo Oeconomicus reicht im Prinzip aus, wenn er sich nach Kräften bemüht, rational zu handeln (intendiert rationales oder eingeschränkt rationales Handeln), auch wenn er nicht alle Alternativen und deren Folgen genau kennt.

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Prinzip der Nicht-Einzelfall-Betrachtung

Die sehr strikte Annahme rationalen Verhaltens wird auch dadurch aufgeweicht, dass ein solches Verhalten nicht von jedem Individuum in jeder Situation erwartet wird, sondern nur als tendenzielles Verhalten der meisten Akteure. Das rationale Verhalten muss allerdings deutlich dominant sein, wenn die Ökonomik ihre Erklärungs- und Prognosekraft für die Praxis nicht verlieren will. Der Homo Oeconomicus ist als Idealtyp zwar eine Fiktion. Ein solcher Idealtyp wäre aber eine wertlose Konstruktion wenn nicht angenommen werden könnte, dass das menschliche Verhalten tatsächlich mit einer gewissen Häufigkeit diesem Modell entspricht.

Prinzip des methodologischen Individualismus

Alle Eigenschaften, die sozialen Systemen (Gruppen, Gesellschaften, Familien, Unternehmen usw.) zugesprochen werden, müssen aus den individuellen Eigenschaften und Verhaltensweisen der beteiligten Akteure erklärbar sein. Insbesondere dürfen
nach dem methodologischen Individualismus nur den Individuen Intentionen und Ziele zugeschrieben werden. Es gibt also z. B. keine Ziele oder Strategien der Unternehmung, sondern nur individuelle Ziele und Strategien von Personen in Unternehmen.

Wer sein Ziel durchsetzen will, muss mit den möglicherweise konträren Zielen
anderer rechnen. Der Homo Oeconomicus wählt bei gegebenen Präferenzen und Restriktionen stets die Alternative, die ihm den höchsten (materiellen) Nutzen verspricht.An Änderungen der Restriktionen passt er sich rational an.

Die beiden wesentlichen Grundannahmen für wirtschaftliches Handeln sind somit Rationalität und Streben nach Nutzenmaximierung.

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Über den Autor

Jürgen Schechler Dr. Jürgen Schechler ist Programmleiter Wirtschaftswissenschaften. Er leitet das Redaktionsbüro von UVK Lucius in München für die UVK Verlagsgesellschaft mbH.

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