Konjunktur für Whistle Blower?

Ein Whistle Blower ist jemand, der unethische Praktiken innerhalb einer Organisation gegenüber Vorgesetzten oder gegenüber der Öffentlichkeit aufdeckt.

Whistle Blowing kann auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Geht es um unethische Praktiken einzelner Kollegen, dann wird sich der Whistle Blower zunächst auf dem Dienstweg an den Vorgesetzten wenden, um ihm die illegitimen oder illegalen Handlungsweisen zur Kenntnis zu bringen. Kann er auf diese Weise keine Lösung erreichen oder geht es um illegitimes und illegales Verhalten der Unternehmensführung selbst, dann bleibt nur noch der Weg nach außen, an die Öffentlichkeit.

Indem der Whistle Blower sich an Behörden oder Medien wendet, erzeugt er öffentlichen Druck, der das Unternehmen zum Handeln zwingt.

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Als Vorstufe des Whistle Blowing kann der Mitarbeiter auch zunächst nur damit drohen, dass er sich an die Öffentlichkeit wenden wird, falls die unmoralischen Praktiken nicht aufhören. Sowohl diese Drohungen als auch das eigentliche Verpfeifen können anonym oder öffentlich erfolgen. Die Anonymität schützt den Mitarbeiter vor drohenden Repressalien seitens des Unternehmens, erlaubt aber keine direkte Aussprache über das Problem und erzeugt eine Misstrauens-Atmosphäre. Besonders dem heimlichen Verpfeifen haftet der unangenehme Geruch des Denunziantentums an.

Wie ist Whistle Blowing zu bewerten?

Generell ist die Bewertung des Verpfeifens sehr ambivalent. Der Whistle Blower sieht sich häufig gravierenden Interessenkonflikten gegenüber. Sein Vorgehen kann den Shareholdern, den Vorgesetzten und den Kollegen massiv schaden. Indirekt werden evtl. auch Lieferanten, Kreditgeber und Standortgemeinden geschädigt, bspw. wenn ein Unternehmen aufgrund des Whistle Blowing schließen muss.

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Auf der anderen Seite stehen die durch die illegitimen und illegalen Praktiken Geschädigten. Patienten, die an nicht deklarierten Nebenwirkungen von Medikamenten leiden, Personen, die aufgrund von Sicherheitsmängeln an Produkten verunglücken, Kunden, die durch falsche Beratung in den Ruin getrieben wurden, Anwohner, die Gesundheitsschäden durch Umweltverschmutzung erleiden usw.

Von der Öffentlichkeit werden die Whistle Blower häufig als Helden gefeiert. Die betroffenen Kollegen und Vorgesetzten werten den Whistle Blower dagegen als illoyalen Verräter und Nestbeschmutzer. Da er nicht beweisen kann, dass er aus einer Gewissensentscheidung heraus handelt, werden ihm unlautere Motive wie Neid, Rachegelüste oder Profilierungssucht unterstellt. Die Sanktionen reichen von der sozialen Ächtung bis hin zur Kündigung. Selbst wenn der Whistle Blower gesetzlich vor Mobbing und Kündigung geschützt ist, wie es bspw. seit 1999 in England der Fall ist, können die Kollegen ihm das Leben mit subtilen Repressionen sehr schwer machen. Es erfordert also einige Zivilcourage, unethische Praktiken bekannt zu machen.

Beispiel: Ein Mitarbeiter geht im EADS-Konzern dem Verdacht von massiven Schmiergeldzahlungen nach. Jahrelang versucht er, das Problem intern anzusprechen und zu lösen, auch über die Complianceabteilung, die offiziell einen Verhaltenskatalog für ethisch sauberes Geschäftsgebaren entwickelt und verbreitet hat. Aber alle internen Lösungsversuche scheitern. Schließlich droht der Mitarbeiter mit einer Anzeige bei der Aufsichtsbehörde. Die Reaktion des Unternehmens: Er wird gewarnt, er solle gut auf sich aufpassen, wenn er alleine unterwegs sei. Er sei in Gefahr. Das gelte auch für seine Familie. Der Mitarbeiter lässt sich letzten Endes auf einen Deal ein. Er verpflichtet sich zum Schweigen und zum Vernichten aller Beweise. Ein anderer Mitarbeiter zeigt das Unternehmen dann aber doch noch bei der englischen Aufsichtsbehörde an, so dass alles publik wird.

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Über den Autor

Jürgen Schechler Dr. Jürgen Schechler ist Programmleiter Wirtschaftswissenschaften. Er leitet das Redaktionsbüro von UVK Lucius in München für die UVK Verlagsgesellschaft mbH.

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