Darf es Empfehlungen für das Whistle Blowing geben?

Die so genannten Steuer-CDs kommen inzwischen routinemäßig aus der Schweiz nach Deutschland und auch in die Medien. verhalten sich diese Whistle Blower ethisch?

Nicht nur wegen der unangenehmen Folgen für die eigene Person, sondern auch wegen der möglicherweise weit reichenden negativen Folgen für unschuldig Betroffene sollte sich niemand das „Verpfeifen“ leicht machen.

  • Erwartet wird vom Whistle Blower,
  • dass er nur aufgrund von sicheren Fakten tätig wird;
  • dass er zunächst alle Möglichkeiten ausschöpft, um das Problem unternehmensintern, am besten im direkten Gespräch mit den Verursachern zu regeln. Vor allem der Gang an die Öffentlichkeit sollte die ultima ratio sein;
  • dass er sich Rechenschaft über seine Motive ablegt und nicht aus Rache, bspw. wegen einer Entlassung, tätig wird;
  • dass er nicht finanziell vom Whistle Blowing profitieren will, bspw. brisante Informationen gegen viel Geld an die Medien oder den Staat verkauft;
  • dass er eine sorgfältige Güterabwägung vornimmt.

Das neue Googlebuch
Für diese Güterabwägung kann es keine „Musterlösung“ geben. Man kann nur versuchen, mit Hilfe der schon früher beschriebenen Vorzugsregeln nach bestem Wissen und Gewissen zu einer verantwortbaren Entscheidung zu kommen. Wo Gesundheit und Leben von Betroffenen auf dem Spiel stehen und/oder wo „Unrecht an vielen zum Vorteil weniger“ geschieht, ist das Verpfeifen in der Regel angebracht.

Beispiele:

  • Als Vorbild gilt bspw. Jeffrey Wigand, der lange Jahre als Vizepräsident der Forschungsabteilung des Tabakgiganten Brown & Williamson arbeitete und schließlich öffentlich bekannt machte, dass die Tabakindustrie heimlich suchtverstärkende Zusätze in die Zigaretten mischt.
  • Gute Beispiele stellen auch die Whistle Blower dar, die im Vorfeld der Challengerkatastrophe auf Sicherheitsmängel hinwiesen und
  • diejenigen, welche katastrophale Sicherheitsdefizite beim Ford Pinto anprangerten.
  • Der aktuelle Fall des „Verpfeifens“ von potenziellen Steuersündern, indem eine CD mit geheimen Bankdaten aus der Schweiz für 2,5 Mio. € an den deutschen Staat verkauft wird, hinterlässt dagegen zwiespältige Gefühle, weil der Whistle Blower ganz offensichtlich privat profitieren will.

Reich sein macht Spaß
Das Unternehmen kann selbst einiges tun, um die enormen Imageschäden zu vermeiden, die durch externes Whistle Blowing entstehen. Empfohlen wird vor allem, ein offenes Ohr für die Kritik von Mitarbeitern zu haben. Das kann institutionell abgesichert werden durch offizielle Beschwerdewege und Ombudsinstitutionen. Auch sollte den Mitarbeitern in den Führungsgrundsätzen zugesichert werden, dass sie keine Sanktionen zu fürchten haben, wenn sie Missstände intern anprangern.Sind die Vorwürfe berechtigt, müssen natürlich dann auch konkrete Taten zur Lösung des Problems folgen.

Die Kritik der Mitarbeiter sollte als wichtige Informationsquelle im Rahmen einer verantwortungsbewussten Unternehmensführung aufgefasst werden. Die personale Komponente der Unternehmensethik betont die innere moralische Haltung, das Ethos der Akteure im Unternehmen. Ihre Moralität wird für unverzichtbar gehalten. Sie müssen sich in eine kritische Distanz zu den Rollenerwartungen und institutionellen Anreizen setzen können, um in Freiheit und damit wirklich moralisch zu handeln. Außerdem bedarf es ihres Urteilsvermögens, um den Erfordernissen des Einzelfalls jeweils gerecht zu werden. Steht die handelnde Person im Vordergrund der ethischen Bewertung, spricht man auch von Tugendethik.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem neuen Buch zur Unternehmensethik.

Wie kann die Unternehmensethik als Management der Verantwortung praktisch umgesetzt werden? Eine stärkere Orientierung der Unternehmens-führung am Leitbild einer lebensdienlichen Wirtschaft wird mehr und mehr gefordert. Elisabeth Gödel erörtert zunächst die philosophischen Grundlagen der Ethik und klärt dann das Verhältnis von Ethik und Ökonomik. Im Vordergrund steht die Institutionalisierung der Ethik auf der Ebene des einzelnen Unternehmens.

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Über den Autor

Jürgen Schechler Dr. Jürgen Schechler ist Programmleiter Wirtschaftswissenschaften. Er leitet das Redaktionsbüro von UVK Lucius in München für die UVK Verlagsgesellschaft mbH.

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