Wie sich Unternehmen zur Verantwortung bekennen: Vision und Leitbild

Führt man sich die zahlreichen Funktionen von Zielen vor Augen, dann ist es zweifellos die erste unabdingbare Voraussetzung zur Erhöhung der Verantwortungsfähigkeit der Unternehmung, den Willen zur Verantwortungsübernahme explizit in das Zielsystem zu integrieren und das Unternehmen bzw. seine Mitglieder auf die Einhaltung ethischer Standards zu verpflichten.

Diese Integration geschieht auf verschiedenen Ebenen der Zielhierarchie, wie sie die Abbildung schematisch darstellt.

Am häufigsten propagiert wird eine Integration ethischer Orientierungen auf den obersten Ebenen der Zielhierarchie, also in der Vision und dem Leitbild. Die Vision (in gleicher oder ähnlicher Bedeutung wird auch von Unternehmensphilosophie oder basic mission gesprochen) soll ganz allgemein die Einstellung der Unternehmung zu ihrer Rolle und ihrem Verhalten in der Gesellschaft klären.

Beispiele

  • „Wir tragen gesellschaftliche Verantwortung und engagieren uns für eine bessere Welt“ (Siemens Corporate Responsibility Report 2003).
  • „We conduct our operations with honesty, integrity and openness, and with respect for the human rights and interests of our employees. We shall similarly respect the legitimate interests of those with whom we have relationships“ (Unilevers Code of Business Principles).
  • „Ethical conduct and social responsibility characterize our way of doing business. We are honest and trustworthy. We do what we say we are going to do“ (Values and Vision von Levi Strauss & Co.).
  • „Faber-Castell bekennt sich zu den 9 Prinzipien des Global Compact und hat mit dem Beitritt zu dieser Initiative seine Unterstützung bekräftigt, durch sozial und ökologisch verträgliches Wirtschaften zu besseren Bedingungen für Mensch und Natur beizutragen.“ (Faber-Castell Sozial- und Umweltprojekte 2003/04).
  • „Wir verpflichten uns freiwillig zur Einhaltung und Förderung international anerkannter Prinzipien in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung“ (BASF Bericht 2008).

Das neue Googlebuch
Während die Vision ganz grundsätzlich den Willen zur Verantwortung ausdrückt, werden die Grundsätze, welche gemeinsam das Leitbild formen, konkreter. Man könnte auch sagen, die Vision beinhaltet eher die Werte der Unternehmung, also die fundamentalen Auffassungen von wünschenswerten Zuständen und Haltungen, wie bspw. Einhaltung der Menschenrechte und Erhaltung der Umwelt oder Ehrbarkeit und Vertrauenswürdigkeit.

In den Grundsätzen werden dagegen eher konkrete Verhaltensnormen formuliert. Sie beziehen sich auf bestimmte Stakeholdergruppen und/oder auf bestimmte Problembereiche (bspw. Umweltverschmutzung, Korruption, Armut in der dritten Welt).

In den Leitbildern zeigen sich auch eher unternehmensspezifische Besonderheiten als in den Visionen. Chemieunternehmen betonen die Verantwortung für den Umweltschutz, Unternehmen, die viel in Entwicklungsländern engagiert sind, gehen auf Technologietransfer, Verrechnungspreise, lokale Rechtsprechung und Kinderarbeit ein, große Unternehmen beschäftigen sich mit der Problematik ihrer Macht, für Banken sind Insidergeschäfte ein Thema. Es gibt aber auch große Ähnlichkeiten zwischen den Leitbildern. So werden in den meisten Leitbildern als Adressaten der Verantwortung explizit die Mitarbeiter, die Kunden, die Eigentümer/Aktionäre und die Öffentlichkeit genannt, teilweise auch die Lieferanten und Konkurrenten.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem neuen Buch zur Unternehmensethik.

Wie kann die Unternehmensethik als Management der Verantwortung praktisch umgesetzt werden? Eine stärkere Orientierung der Unternehmens-führung am Leitbild einer lebensdienlichen Wirtschaft wird mehr und mehr gefordert. Elisabeth Gödel erörtert zunächst die philosophischen Grundlagen der Ethik und klärt dann das Verhältnis von Ethik und Ökonomik. Im Vordergrund steht die Institutionalisierung der Ethik auf der Ebene des einzelnen Unternehmens.

>> Link zum Buch
>> Link zum Service rund um das Buch
>> Link zum Foliensatz für Dozenten
>> Link zur Redaktion

Über den Autor

Jürgen Schechler Dr. Jürgen Schechler ist Programmleiter Wirtschaftswissenschaften. Er leitet das Redaktionsbüro von UVK Lucius in München für die UVK Verlagsgesellschaft mbH.

Be Sociable, Share!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.