Keynes´ Traum wird wahr

GeldWer hätte das gedacht: Die EZB flankiert mit ihrer expansiven Geldpolitik die Realwirtschaft und winkt mit dem Zaunpfahl. Das war der Traum von John M. Keynes.

9783825237943_CMYKEine unabhängige Notenbank, die sich ausschließlich der Geldwertstabilität verpflichtet fühlt, würde bei den aktuellen Höchstständen von Liquidität und der damit verbundenen Inflationsgefahr stets mit einer verhaltenen Geldpolitik die realwirtschaftlichen Probleme ignoriert. Dies war in der zweiten Hälfte des Bestehens der Bundesbank der Fall. Und auch die Europäische Zentralbank war in dieser Zielsetzung bislang verlässlich.

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In Krisenzeiten sollten nach Keynes´ Ansicht staatliche Einrichtungen Nachfragelücken im Privatsektor durch erhöhte Staatsaktivität kompensieren, um wieder einen Aufschwung zu erzeugen. Dies sollte durch eine Finanzierung über die öffentliche Verschuldung geschehen, die in einer Boomphase wieder zurückgeführt werden könnte. Ein zentrales Problem dabei ist die Gefahr, dass die erhöhte Kapitalnachfrage des Staates zu höheren Zinsen und damit zu erhöhten Finanzierungskosten für private Unternehmen führt. Die dadurch weiter reduzierte Investitionstätigkeit nennt man Crowding-out-Effekt und er wäre doch kontraproduktiv für das Konjunkturziel.

Einzig ein wirtschaftspolitischer Akteur könnte dieses Dilemma abschwächen: die Notenbank. Würde sie über eine Niedrigzinspolitik die Geldmenge erhöhen können, dann wären Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Deficit Spending geschaffen. Davon hat Keynes geträumt. Und nun halten die europäischen Währungshüter den Leitzins auf 0,75 Prozent – ein Rekordtief. Billiges Geld ist also vorhanden.

Nur sehen sich die Euro-Regierungen anderen Beschränkungen ausgesetzt; der Haushaltsreform und -konsolidierung. Der EZB wird also die Disziplinierungsaufgabe abgenommen.

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Über den Autor

Jürgen Schechler Dr. Jürgen Schechler ist Programmleiter Wirtschaftswissenschaften. Er leitet das Redaktionsbüro von UVK Lucius in München für die UVK Verlagsgesellschaft mbH.

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