Wie Unternehmen zu einem Leitbild kommen

Hat sich einmal ein Unternehmen für die Erstellung eines Leitbilds entschlossen, so steht die Frage auf dem Plan, wie dies am besten geschehen kann: der Prozess der Leitbilderstellung.

Kritisiert wird an den Leitbildern zum einen, dass sie häufig nur die „Privatmoral“ der Führungskräfte wiedergäben, die ihre Moral- und Wertanschauungen für organisationsweit verbindlich erklären und vorschreiben würden. Zum anderen liegt der Verdacht nahe, dass sie nur der Imagepflege nach außen dienen und im Unternehmensalltag gar keine Rolle spielen, weil sie bei den Mitarbeitern gar nicht „ankommen“.

Beide Kritikpunkte können durch den Prozess der Leitbilderstellung entschärft werden.

Selbst wenn die Initiative zur Erstellung eines Leitbildes vom Top-Management ausgeht, so müssen doch die Mitarbeiter und evtl. auch Vertreter der Stakeholder und externe Berater in den Prozess der Formulierung einbezogen werden. Damit wird sichergestellt, dass eine kritische Analyse der Ausgangslage stattfindet und alle Aktivitäten der Unternehmung auf ihre möglichen negativen Folgen für Stakeholder abgeklopft werden.

Reich sein macht Spaß
Die gefundenen Werte und Normen erlangen weiterhin einen höheren Grad an Legitimität, wenn sie als konsensfähig aus einem kritischen Diskurs hervorgegangen
sind. Die Einbeziehung der Mitarbeiter führt außerdem zu einer größeren Identifikation mit den Leitlinien und zu einer verbesserten Motivation im Hinblick auf ihre Befolgung. Eine „Verordnung“ von Moral wird schnell als Kritik an der persönlichen moralischen Kompetenz und als Bevormundung empfunden. Die Einbeziehung der Mitarbeiter „vor Ort“ kann zudem Missverständnissen vorbeugen und die Unternehmung vor überzogenen Versprechungen schützen, die dann tatsächlich nicht einlösbar sind.

Die Einbeziehung von Mitarbeitern und externen Stakeholdern sorgt schließlich auch von Anfang an für einen gewissen Bekanntheitsgrad der Grundsätze. Die umfassende Kommunikation der Grundsätze nach innen und außen ist unabdingbar für ihre Umsetzung. Nach innen müssen die Grundsätze unmissverständlich klar gemacht werden, weil natürlich niemand von den Mitarbeitern die Einhaltung von Grundsätzen erwarten kann, die ihnen unbekannt oder unverständlich sind. Die Kommunikation nach außen dient nicht nur der Imagepflege, sondern bekräftigt auch die Selbstbindung der Unternehmung, denn öffentlich bekannte Verhaltensvorgaben können von den Bezugsgruppen auch kontrolliert und eingefordert werden.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem neuen Buch zur Unternehmensethik.

Wie kann die Unternehmensethik als Management der Verantwortung praktisch umgesetzt werden? Eine stärkere Orientierung der Unternehmens-führung am Leitbild einer lebensdienlichen Wirtschaft wird mehr und mehr gefordert. Elisabeth Gödel erörtert zunächst die philosophischen Grundlagen der Ethik und klärt dann das Verhältnis von Ethik und Ökonomik. Im Vordergrund steht die Institutionalisierung der Ethik auf der Ebene des einzelnen Unternehmens.

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Über den Autor

Jürgen Schechler Dr. Jürgen Schechler ist Programmleiter Wirtschaftswissenschaften. Er leitet das Redaktionsbüro von UVK Lucius in München für die UVK Verlagsgesellschaft mbH.

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