Gold auf Talfahrt

OLYMPUS DIGITAL CAMERAWas ist denn nur mit dem Goldpreis los? Nach so vielen Jahren des Aufwärtstrends kennt dieser nun nur noch einen Richtung, nach unten. Doch es ist nicht ein einziger Grund auszumachen, vielmehr sind es eine Vielzahl von Gründen, was das edle Metall derzeit auf Talfahrt schickt.

Die Edelmetallexperten der Commerzbank haben am vergangenen Freitag folgenden Kommentar veröffentlicht:

„Der Goldpreis hat seine Talfahrt in der Nacht fortgesetzt und ist erstmals seit August 2010 unter die Marke von 1.200 USD je Feinunze gefallen. Seit Anfang des Quartals belaufen sich die Verluste auf 25%, was dem stärksten Quartalsverlust seit Freigabe des Goldpreises Anfang der 70er Jahre entspricht. Angesichts des fortgesetzten Preisverfalls und des damit einhergehenden Vertrauensverlustes ziehen sich Anleger weiter aus Gold zurück. Die Bestände der Gold-ETFs verringerten sich auch gestern um 9,5 Tonnen, womit sich die Abflüsse seit Quartalsbeginn auf 401 Tonnen belaufen. Das ist mehr als an Münzen und Barren in den vergangenen Quartalen gekauft wurde. Die Investmentnachfrage könnte somit in diesem Quartal einen negativen Beitrag zur gesamten Goldnachfrage liefern. Ein Ende der Talfahrt ist derzeit nicht abzusehen, zumal die physische Nachfrage in Asien sehr verhalten ist. Nach Indien hat nun auch das Nachbarland Sri Lanka vorübergehend eine 10%-ige Steuer auf Goldeinfuhren erhoben. Damit soll der Goldschmuggel von Sri Lanka nach Indien eingedämmt werden. Indien versucht derzeit mit allen Mitteln, die Goldnachfrage im weltweit größten Goldkonsumentenland einzudämmen. Diese war nach dem Preissturz im April massiv gestiegen und hatte im Mai zu rekordhohen Goldimporten von 162 Tonnen beigetragen. Die Goldimporte werden von der indischen Regierung für das rekordhohe Leistungsbilanzdefizit verantwortlich gemacht, welches die lokale Währung unter Druck setzt. Die Maßnahmen scheinen die von der Regierung und der Zentralbank gewünschte Wirkung zu zeigen, denn die Goldnachfrage der indischen Haushalte ist trotz des jüngsten Sturzes der lokalen Goldpreise auf ein 2-Jahrestief bislang sehr verhalten geblieben.“

Reich sein macht Spaß

Wie zu erkennen ist, sind es die vielen ineinander greifenden Zahnräder, welche den Goldpreis vom Thron stoßen. Wie es weiter geht, ist noch ungewiss. Was jedoch heute schon zu prophezeien ist, ist das Gold auch in der Zukunft unsere Gemüter beschäftigen wird. Denn ein zig-tausend Jahre altes Anlageinstrument kann man nicht für immer bezwingen. Denn Gold ist mehr als eine Anlageklasse. Es ist ein Mythos und hat seine eigene Geschichte.

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Quellen: Zitat: Commerzbank AG – Tagesinfo Rohstoffe; Artikelbild: bagal  / pixelio.de; Video: BSTV

Über den Autor

Michael Bloss Michael Bloss ist Direktor der Commerzbank AG und des Europäischen Instituts für Financial Engineering und Derivateforschung (EIFD). Er lehrt an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen-Geislingen und an der Vancouver Island University, BC.

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