Von Cloudworking und Clickworkern

Rolf_KernBislang ging es um Innovationen und das kostenlose Abschöpfen von intelligenten und kreativen Köpfen. Man nennt es u.a. Crowdsourcing. Daneben haben sich zwei weitere Formen etabliert, das Cloudworking sowie das Clickworking.

Beim Cloudworking schiebt sich zwischen Unternehmen, die Arbeitsaufträge anbieten, und nachfragende Freelancer ein Portal. Beide, Anbieter wie Nachfrager, legen auf Portalen wie TopCoder, dem australischen Freelancer.com oder dem deutschen Ableger Elance-oDesk ihre jewei-ligen Profile an. Auf Elance-oDesk finden sich mittlerweile über 30.000 Unternehmensprofile. Freelancer können so schnell an Aufträge kommen, die ihren Qualifikationen entsprechen.

Für Unternehmen ist das eine kostengünstige Art, Aufträge und Projekte ohne große Verpflichtungen hinsichtlich langfristiger Bindung abzuwickeln. Deutsche Arbeitsschutzrechte spielen keine Rolle mehr. Der hiesige Programmierer steht jetzt mit der ganzen Arbeitswelt in Konkurrenz: mit dem indischen oder spanischen Kollegen, denen zwei, drei Euro Stundenlohn vielleicht schon auskömmlich erscheinen. Die unkomplizierte Verfügbarkeit von Cloudworkern wird sich auf dem Arbeitsmarkt für Angestellte negativ bemerkbar machen.

Reich sein macht SpaßUnd dann sind da noch die vielen, die nicht mit einer Expertise wie der Softwareentwicklung, der Übersetzung fremdsprachlicher Publikationen, oder Illustrationen für die Werbung wuchern können. Für sie bleibt nur die Abwicklung monotoner Routinen übrig, die der Rechner übriggelassen hat, sogenannter HITs (Human Intelligence Tasks). Hier geht es um die Ausbeutung derjenigen, die ohnehin schon ganz am Rand der Arbeitswelt hocken und auch durch Cloudworking keine Chance haben, in halbwegs auskömmliche Arbeitsverhältnisse zu kommen.

Bei dieser Kategorie baut das Internet gering Qualifizierte gegen ein geringes Entgelt in automatisierte Geschäftsprozesse ein. Dafür hat sich die Metapher Clickworkerverbreitet, sie füllen Informatisierungsslücken. In der globalen Ökonomie leisten mittlerweile Millionen Menschen für ein paar Euro pro Stunde diese monotone Akkordarbeit, wie zu Zeiten von Taylor und Ford am Fließband. Der Kontakt zwischen Anbietern und Nachfragern ist zumeist anonym. Ausbeuter und Ausgebeutete, die diese Aufträge aus Existenznot übernehmen, begegnen sich nicht.

utb macht glücklichBeispiele sind die Überprüfung von CD-Covern auf sexuelle Inhalte, das Extrahieren von Daten aus Webseiten oder das Versehen von Bildern mit Schlagworten. Weit verbreitet Amazons Mechanical-Turk-Plattform (MTurk) und die Plattform MicroWorkers.com. Verbreitet auch die Anwerbung von Clickworkern, um positive Bewertungen von Videos und Beiträgen vorzutäuschen. Ein kleiner Trost für alle Cloud- und Clickworker: Auf der kostenlosen Plattform Turkopticon können sie die Aufträge anbietenden Unternehmen hinsichtlich Fairness und Vertragstreue bewerten. So wird etwas mehr Waffengleichheit zwischen potenziellen Cloud- und Clickworkern und Anbietern hergestellt.
Das Scheitern von Outsourcing-Bemühungen und ihre „Nebenfolgen“ kommen selten ans Tageslicht. Kommt es zu Störungen im Regelbetrieb, was nicht selten der Fall ist, werden die modernen, digitalisierten Unternehmens-Architekturen offensichtlich.
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Über den Autor

Jürgen Schechler Dr. Jürgen Schechler ist Programmleiter Wirtschaftswissenschaften. Er leitet das Redaktionsbüro von UVK Lucius in München für die UVK Verlagsgesellschaft mbH.

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